Neu entdeckt: Musik zum Sterben schön

11 Jan

Nach meinem selbstverordneten Weihnachtsurlaub bin ich wieder da. Und ich sage euch: Es hat sich einiges getan! Nicht nur, dass Elvis am 8. Jänner 75 Jahre alt geworden wäre.

Ich hab die ruhige Nach-Weihnachtszeit zum Aufräumen, Stöbern und Entrümpeln genutzt. Mein Zuhause strahlt in noch nie dagewesenem Glanz, ich hab einige alte CDs und Bücher auf den Dachboden verbannt und mindestens doppelt so viele CDs wieder vom besagten Dachboden hervorgeholt.

Alte Sachen wiederentdecken ist manchmal fast so schön wie neues Material anschaffen. Manchmal sogar noch schöner, da man die guten Stücke auch mit der einen oder anderen Erinnerung verbindet. Tja, die Entrümpelung meines Reiches hat so ein bisschen länger gedauert versteht sich. Und ich bin ganz entzückt, welche Schätze da wieder zum Vorschein gekommen sind. Damit meine ich jetzt aber nicht den furchtbar hässlichen Porzellan-Engel, den es von meiner Omi zu Weihnachten vor zwei Jahren gab. Auch nicht die schreckliche Hippie-Bluse mit den aufgestickten Blumen, die ich unbedingt haben musste. Seit dem Kauf dieses Teils hab ich es nie mehr angeschaut.

Nein, ich spreche von Musik.

Da ist mir zum Beispiel wieder Elliott Smiths letztes Werk (das posthum veröffentlicht wurde) From A Basement On The Hill in die Hände gefallen und ich hab mich augenblicklich wieder verliebt.

Wenn Smith mit seiner schmerzerfüllten Stimme

I don’t know where I’ll go now
And I don’t even care who follows me there
But I’ll burn every bridge that I cross
To find some beautiful place to get lost

(Let’s Get Lost)

oder

“A little less than a human being
A little less than a happy high
A little less than a suicide
The only things that you really tried”

(A Fond Farewell)

singt, glaubt man ihm sofort. Da ist kein Ton zu viel da. Er nimmt einen mit, vom Basement On The Hill bis hin zu den tiefsten Abgründen seiner Seele. Noch nie hat jemand auf so unsagbar traurige Weise seinen Schmerz vertont, sein Klagen hinausgesungen.

Mit Twilight schimmert ein bisschen Hoffnung durch die melancholische Gesamtstimmung, glänzt aber nur kurz für die Dauer von 4.29 Minuten und erlischt gegen Schluss fast gänzlich. Der Song geht ins Ohr, die Melodie packt einen und lässt nicht mehr los.

Dass er leider jedes Wort ernst meinte, bewies er 2003 noch vor Veröffentlichung der Platte. Man kann leicht behaupten, dass man diesen Aufnahmen den nahen Tod von Smith anmerkt. Doch so haben frühere Werke des Musikers auch schon geklungen. Wenn auch nicht ganz so wie ein Soundtrack für einen Abschied.

Im Kalendarium gibt’s heute nichts wirklich Interessantes. Das nächste Mal aber bestimmt wieder, deshalb bleibt gespannt!

Und an meine liebe Omama: Bitte nicht böse sein, der Engel is eh ganz lieb.

Eure Blutsschwester.

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